„Vater unser“, so beten wir in unserem christlichen Hauptgebet. Jesus aus Nazareth, Gottes Sohn, hat es seinen Jüngern beigebracht. Gott im Himmel, das ist unser himmlischer Vater. So beginnt auch unser Glaubensbekenntnis: „Ich glaube an Gott, den Vater.“ Und dieser Gott wird dann immer wieder der „Herr“ genannt. Das alles ist männlich geprägt und bestimmt. Dieses Gottesverständnis hat sich auf die bildende christliche Kirche übertragen. Die leitenden Personen mussten männlich sein: Priester, Bischöfe und der Papst. Nach den Berichten der Evangelien hatten damals die Frauen noch eine größere Rolle gespielt. Frauen werden als Jüngerinnen des Jesus häufig erwähnt. Sie hielten nicht nur unter dem Kreuz auf Golgota aus, während die Jünger flüchteten, kümmert sich um das Grab und waren schließlich die ersten Zeugen der Auferstehung. Es war vor allem Maria Magdalena, die begann eine besondere Rolle im Verhältnis zu Jesus zu spielen. Sie stand am Anfang ebenbürtig neben Petrus, dem aber schließlich mit der Botschaft „Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Gemeinde/Kirche bauen“ (Matthäus 16,18) die Führungsrolle zugesprochen wurde. Frauen hatten es selbst in den evangelischen Kirchen schwer, bis sie auf eine Kanzel steigen durften. Martin Luther verbot in Wittenberg einer Bekannten seiner Frau Katharina von Bora, einer ehemaligen Nonne, das Predigen in der Stadtkirche und ließ ein Kirchenlied von ihr in einem ersten Gesangbuch ohne Namensangabe abdrucken. Stand doch in einem Paulusbrief „Das Weib schweige in der Gemeinde!“ Die letzte Landeskirche in Deutschland erlaubte erst 1991 die Ordination von Frauen. Jetzt habe ich gelesen: „Gott ist Vater, mehr aber noch Mutter.“ Wer sagt den so etwas? Keine streitbare Feministin, sondern ein Papst, Johannes Paul I. (+ 1978). Er hatte damit hingewiesen, was in der Bibel zu finden ist, vielleicht auch etwas vergessen wurde – die Mütterlichkeit Gottes war für den Propheten Jesaja (um 770 v. Chr.) das Herzwort der Offenbarung. „Wie eine Mutter ihren Sohn tröstet, so tröste ich euch“ (66,13). In der Bibel steht beides nebeneinander. Da ich der Vater, der auf seinen verlorenen Sohn wartet – und ihm verzeiht. Da ist aber auch die Mutter, die tröstet. Gott zeigt sich auch in seinen Gefühlen, menschlich gesprochen, uns gegenüber. Und da zeigt sich beides – das Väterliche und das Mütterliche.
Wilhelm Drühe 13. Juli 2010
Das war viele Jahre eine große Internetzeitung: der Kirchenbote aus dem Neandertal - aber 2010 wollte ich mich von dieser Arbeit verabschieden. Die Vertragszeit bei 1 & 1 läuft bis zum Herbst.
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